Der PropTech & Construction Summit im April 2026 in Hamburg hat einmal mehr gezeigt, wie stark die Themen Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft die Zukunft der Bau- und Immobilienbranche prägen.
Ich hatte die Freude, gemeinsam mit den Frauen in der Immobilienwirtschaft e.V. über eine Frage zu sprechen, die mich seit vielen Jahren beschäftigt:
Wie machen wir den Erhalt bestehender Gebäude zum wirtschaftlichen Standard?
Denn für mich gilt nach wie vor: Das nachhaltigste Gebäude ist das, das bereits steht.
In meinem Impuls „Bestand als Depot – Digitale Strategien für die zirkuläre Transformation“ ging es darum, warum der Erhalt von Gebäuden nicht nur ein ökologisches Ziel ist, sondern zunehmend auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Die Bauwende ist kein Idealismus. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil von Risikomanagement, Werterhalt und Zukunftssicherung im Immobilienbestand.
Besonders wichtig war mir dabei der Blick auf die Praxis. Anhand konkreter Beispiele und Erfahrungen aus dem Hamburger Reallabor konnte ich zeigen, wie digitale Werkzeuge, integrale Planung und eine präzise Bestandsanalyse dazu beitragen, den Asset Value langfristig zu sichern. Wenn wir vorhandene Ressourcen konsequent erfassen und bewerten, wird deutlich, welches Potenzial bereits in unseren Gebäuden steckt.
Dabei geht es nicht nur um den Erhalt von Tragwerken oder Gebäudestrukturen. Auch Materialien und Ausbaukomponenten können als wertvolle Ressourcen verstanden und vor dem Verlust durch Abriss bewahrt werden. Die sogenannte „graue Energie“ eines Gebäudes sichtbar und messbar zu machen, ist für mich ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einer echten Kreislaufwirtschaft im Bauwesen.
Die Gespräche mit Fachkolleginnen und Fachkollegen, Investorinnen und Investoren, Projektentwicklern sowie innovativen PropTech- und Bau-Start-ups haben gezeigt, dass die Branche bereit ist, neue Wege zu gehen. Die Fragen und Diskussionen machten deutlich, dass der Wunsch nach konkreten Lösungen groß ist und dass zirkuläre Strategien zunehmend als wirtschaftliche Chance verstanden werden.
Als Architektin sehe ich meine Aufgabe darin, den Brückenschlag zwischen Vision und Umsetzung zu schaffen. Nachhaltigkeit muss nicht nur planerisch überzeugend sein, sondern auch technisch umsetzbar und wirtschaftlich tragfähig. Genau hier liegt aus meiner Sicht der Schlüssel für die Transformation unserer Branche.
Das positive Feedback im Anschluss an die Veranstaltung hat mich sehr gefreut. Es zeigt sich ein großes Interesse an einer vertieften Auseinandersetzung mit dem Thema und verdeutlicht, wie relevant der Umgang mit Bestandsgebäuden für die Zukunft der Immobilienwirtschaft geworden ist. Deshalb wird der Dialog in einem weiteren Format fortgesetzt, um die Potenziale von Bestandserhalt, Zirkularität und digitaler Planung noch intensiver zu beleuchten.
Mein Fazit nach dem Summit: Der Bestand ist nicht unser Problem – er ist eine unserer wertvollsten Ressourcen. Je früher wir beginnen, Gebäude als Materiallager und Wissensspeicher zu verstehen, desto erfolgreicher werden wir die Bauwende gestalten können.
Ich danke allen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern für den inspirierenden Austausch und freue mich auf die nächsten Diskussionen über die Zukunft des Bauens im Bestand.
